Dr. Swantje Tannert
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Lehre und Forschung
Pädagogische Psychologie
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Dr. Swantje Tannert
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Lehre und Forschung | Pädagogische Psychologie
Wissenschaftsbiografie
Seit April 2025 ist Dr. Swantje Tannert an der HMU Erfurt tätig. Dort forscht sie schwerpunktmäßig zu stereotypen Urteilen von Mathematiklehrkräften und untersucht, wie diese Urteile unter kognitiv fordernden Bedingungen zustande kommen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Rolle eigener Mathematikangst von Lehrkräften, zeitlichem Druck sowie weiteren Belastungsfaktoren, die diagnostische Entscheidungen systematisch verzerren können.
In ihren aktuellen Projekten analysiert sie, wie emotionale und kognitive Beanspruchung die Nutzung diagnostisch relevanter versus nicht-diagnostischer Hinweise beeinflusst und inwiefern stereotype Annahmen die Beurteilung von Schülerleistungen und Lernpotenzialen prägen. Methodisch verbindet sie experimentelle Designs, digitale und virtuelle Lehr-Lern-Szenarien sowie differenzierte Urteils- und Prozessmaße. Geplant sind weiterhin Studien unter Nutzung virtueller Realität.
Parallel dazu verfolgt Swantje Tannert eine Forschungslinie zur Beurteilung selbstregulierten Lernens (SRL) durch Lehrpersonen weiter. Im Zentrum stehen Fragen der diagnostischen Kompetenz, der Genauigkeit von Urteilen sowie der Bedingungen, unter denen Lehrkräfte Prozesse selbstregulierten Lernens valide einschätzen können.
Die inhaltlichen Schwerpunkte ihrer aktuellen Forschung bauen auf einer langjährigen wissenschaftlichen Entwicklung auf. Seit Beginn ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Jahr 2012 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena beschäftigt sich Swantje Tannert mit Prozessen der Aufmerksamkeitslenkung als Grundlage der Urteilsbildung. In der Forschergruppe Person Perception lag ihr Fokus zunächst auf der Verarbeitung emotionaler und sozialer Reize sowie auf Aufmerksamkeitsmechanismen. Diese Phase mündete in ihre Promotion (2020), in der sie grundlegende Mechanismen selektiver Aufmerksamkeit gegenüber emotionalen Stimuli untersuchte.
Im weiteren Verlauf verlagerte sich ihr Forschungsinteresse zunehmend auf pädagogisch-psychologische Fragestellungen. Am Lehrstuhl für Schulpädagogik und Unterrichtsforschung der Friedrich-Schiller-Universität Jena beschäftigte sie sich über mehrere Jahre mit professionellem Lernen von Lehrkräften, Transferprozessen in pädagogischen Fortbildungen sowie mit motivationalen und emotionalen Bedingungen schulischen Lernens.
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit lag auf der Urteilsbildung von Lehrpersonen auf Basis authentischer Unterrichtssequenzen im Sinne der Professional Vision. In diesem Kontext untersuchte sie ab 2021 am Lehrstuhl für Bildungspsychologie der Universität Erfurt, wie gezielte Signaling-Techniken in Unterrichtsvideos eingesetzt werden können, um die Noticing-Kompetenzen angehender Lehrpersonen zu unterstützen und deren diagnostische Verarbeitung lernrelevanter Informationen zu verbessern.
Seitdem verbindet Dr. Tannert ihre kognitionspsychologischen Grundlagenarbeiten systematisch mit Fragen der Lehr-Lern-Forschung und der diagnostischen Kompetenz von Lehrkräften, insbesondere im Kontext selbstregulierten Lernens und unter kognitiv belastenden Bedingungen.
Lehrtätigkeit
Dr. Swantje Tannert verfügt seit 2008 über eine langjährige Lehrerfahrung in der universitären Ausbildung von Studierenden der Psychologie und Medizin sowie in der Lehramtsausbildung. Ihre Lehrtätigkeit umfasst sowohl methodische Grundlagenveranstaltungen als auch forschungsnahe Seminare und die Betreuung von Abschlussarbeiten.
Ein Schwerpunkt ihrer Lehre liegt in der Vermittlung von statistischen und methodischen Grundlagen Psychologischer Forschung. Sie leitete u. a. Tutorien und Praktika zu Deskriptiver und Inferenzstatistik, Regression, Experimentalplanung sowie empirische Forschungspraktika für Psychologie- und Medizin-Studierende. Dabei verfolgt sie einen konzeptuellen Zugang, der statistische Verfahren stets in den Zusammenhang von Theorie, Forschungsfrage und Studiendesign einbettet und die kritische Interpretation empirischer Befunde in den Vordergrund stellt.
Darüber hinaus ist Swantje Tannert intensiv in der bildungspsychologischen und lehramtsbezogenen Lehre engagiert. In Seminaren zu Diagnostik, Kompetenzentwicklung, evidenzbasiertem Lehren und Lernen sowie Noticing thematisiert sie professionelle Wahrnehmungs- und Urteilsprozesse von Lehrkräften. Ein besonderer Fokus liegt auch in der Lehre auf der Frage, wie lernrelevante Informationen erkannt, interpretiert und in fundierte pädagogische Entscheidungen überführt werden können. Seit zwei Semestern lehrt Swantje Tannert darüber hinaus zu pädagogischen Präventions- und Interventionsprogrammen. Ab SS 2026 übernimmt sie die Seminare der Allgemeinen Psychologie 2 (Emotion, Motivation & Sprache) und zur Entwicklungspsychologie der Kindheit und Jugend. Darüber hinaus betreut Swantje Tannert regelmäßig Bachelor- und Masterarbeiten und begleitet Studierende bei der Planung und Durchführung empirischer Forschungsprojekte.
Publikationen
Eine vollständige Liste der Publikationen findet sich im Profil bei Google Scholar