Gemeinsames Statement der Interessenvertretungen der Studierendenschaften der Erfurter Hochschulen zum AfD-Bundesparteitag am 04. Juli 2026

Am 04. Juli 2026 plant die Alternative für Deutschland, ihren Bundesparteitag in Erfurt abzuhalten. Als Studierendenvertretungen, Fachschaftsräte, studentische Vereinigungen, Hochschulgruppen und weitere studentische Zusammenschlüsse sehen wir uns in der Verantwortung, hierzu Stellung zu beziehen. Unsere Hochschulen sind Orte des freien Denkens, der wissenschaftlichen Erkenntnis, des kritischen Austauschs und der demokratischen Teilhabe. Sie leben von Offenheit, Vielfalt und dem respektvollen Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Weltanschauung und Lebensentwürfe. Diese Grundsätze bilden die Grundlage für Forschung, Lehre und das studentische Leben in Erfurt, aber auch an allen anderen Hochschulstandorten Thüringens.

Die Studierendenschaft unserer Hochschulen ist international, vielfältig und plural. Viele Studierende kommen aus anderen Bundesländern oder aus dem Ausland nach Thüringen, um hier zu studieren, zu forschen, zu leben und zu unserer Gesellschaft maßgeblich beizutragen. Sie bereichern unsere Hochschulen und unsere Stadt durch ihre Perspektiven, Erfahrungen und ihr Engagement. Ein offenes, sicheres und diskriminierungsfreies Umfeld ist daher keine abstrakte Forderung, sondern eine grundlegende Voraussetzung für erfolgreiches Studieren, wissenschaftliches Arbeiten und die persönliche Entwicklung während des Studiums.

Wir beobachten mit Sorge politische Entwicklungen, die gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausspielen, demokratische Institutionen infrage stellen oder die Gleichwertigkeit aller Menschen relativieren. Solche Entwicklungen betreffen die Studierendenschaften unmittelbar. Sie können das Sicherheitsgefühl, die gesellschaftliche Teilhabe und die Zukunftsperspektiven vieler Studierender beeinträchtigen, insbesondere von internationalen Studierenden, aber auch von allen anderen Menschen, die von Rassismus, Antisemitismus, Islamophobie, Religionsfeindlichkeit, Sexismus, Queerfeindlichkeit oder anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit betroffen sind.

Diese Sorge speist sich nicht nur aus allgemeinen politischen Entwicklungen, sondern auch aus den konkreten hochschulpolitischen Positionen der AfD. Der Bundesparteitag steht dabei nicht für sich allein: Auf Bundes- und Länderebene stellt die Partei wiederholt studentische Selbstverwaltung, politische Bildung als Aufgabe der Selbstverwaltung, Internationalisierung sowie Gleichstellung und Diversität infrage. Diese Entwicklung hat unmittelbare Auswirkungen auf Hochschulen und betrifft uns als Studierende, Lehrende, Beschäftigte und Hochschulakteur:innen gleichermaßen. Denn sie berührt zentrale Fragen der Internationalisierung, der Chancengleichheit, der gesellschaftlichen Verantwortung von Wissenschaft und damit auch der Attraktivität Thüringens als Hochschulstandort. Damit sind wesentliche Interessen der Studierendenschaften und vieler Hochschulangehöriger betroffen.

Unser Selbstverständnis als Hochschulangehörige gründet auf den Werten einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft, denen eine in Thüringen als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei nicht gerecht wird. Das Thüringer Hochschulgesetz beschreibt Hochschulen nicht nur als Orte von Forschung und Lehre, sondern auch als Institutionen, die zur Stärkung demokratischer Kultur, gesellschaftlicher Verantwortung und friedlichen Zusammenlebens beitragen. Die Freiheit von Forschung und Lehre, die Unabhängigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie die Achtung der Menschenwürde und der Grundrechte bilden hierfür unverzichtbare Voraussetzungen. Hochschulen können ihren Auftrag nur erfüllen, wenn wissenschaftliche Debatten offen geführt werden, unterschiedliche Perspektiven gehört werden und Menschen unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder anderen persönlichen Merkmalen gleichberechtigt am akademischen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Deshalb positionieren wir uns ausdrücklich für Wissenschaftsfreiheit, für demokratische Grundrechte und die damit verbundene gesellschaftliche Verantwortung, für einen pluralistischen und respektvollen Diskurs auf unseren Campi sowie für ein weltoffenes Erfurt und ein weltoffenes Thüringen. Wir sind überzeugt, dass eine lebendige Demokratie vom Engagement ihrer Bürger:innen lebt und dass Hochschulen eine besondere Verantwortung tragen, Räume für kritisches Denken, Dialog und gesellschaftliche Verständigung zu schaffen und zu erhalten.

Wir rufen daher alle Studierenden, Lehrenden, Beschäftigten und Unterstützer:innen der Erfurter Hochschulen dazu auf, am 04. Juli und an allen anderen Tagen friedlich und entschlossen für diese Werte einzustehen. Lasst uns gemeinsam zeigen, dass Erfurt eine Stadt mit reicher Geschichte von Wissenschaft, Demokratie und Vielfalt ist. Lasst uns deutlich machen, dass unsere Hochschulen für Offenheit, Respekt und Menschenwürde stehen. Eine lebendige Demokratie braucht Menschen, die sich einbringen. Deshalb laden wir dazu ein, sich am 04. Juli an den friedlichen Demonstrationen und Aktionen rund um das Demokratiefest für ein vielfältiges und weltoffenes Erfurt einzubringen.

Für Wissenschaftsfreiheit. Für Demokratie. Für Vielfalt. Für Erfurt.



Joint statement by the student representative bodies of Erfurt's higher education institutions regarding the AfD national party conference on 4 July 2026

On 4 July 2026, Alternative for Germany (AfD) plans to hold its federal party conference in Erfurt. As student representatives, student councils, student associations, university groups and other student organisations, we feel it is our responsibility to take a stand on this matter.

Our universities are places of free thought, scientific discovery, critical exchange and democratic participation. They thrive on openness, diversity and the respectful coexistence of people from different backgrounds, with different worldviews and ways of life. These principles form the basis for research, teaching and student life in Erfurt, as well as at all other university locations in Thuringia.

The student body at our universities is international, diverse and pluralistic. Many students come to Thuringia from other federal states or from abroad to study, conduct research, live here and make a significant contribution to our society. They enrich our universities and our city through their perspectives, experiences and commitment. An open, safe and nondiscriminatory environment is therefore not an abstract demand, but a fundamental prerequisite for successful study, academic work and personal development during one's time at university.

We view with concern political developments that pit social groups against one another, call democratic institutions into question or undermine the principle that all people are equal.

Such developments have a direct impact on the student body. They can undermine the sense of security, social participation and future prospects of many students, particularly international students, but also of all others affected by racism, anti-Semitism, Islamophobia, hostility towards religion, sexism, hostility towards the LGBTQ+ community or other forms of group-based hostility.

This concern stems not only from general political developments, but also from the AfD's specific positions on higher education policy. The party's federal conference is not an isolated case: at both federal and state levels, the party has repeatedly called into question student self-governance, political education as a responsibility of self-governance, internationalisation, and equality and diversity. This development has a direct impact on higher education institutions and affects us equally as students, lecturers, staff and members of the higher education community. This is because it touches on central issues of internationalisation, equal opportunities, the social responsibility of academia and, consequently, the attractiveness of Thuringia as a centre of higher education.

This affects the fundamental interests of student bodies and many members of the higher education community.

Our self-image as members of the university community is founded on the values of a free and democratic society, values which a party classified in Thuringia as definitively far-right fails to uphold. The Thuringian Higher Education Act describes universities not only as places of research and teaching, but also as institutions that contribute to strengthening democratic culture, social responsibility and peaceful coexistence. Freedom of research and teaching, the independence of scientific findings, and respect for human dignity and fundamental rights are indispensable prerequisites for this. Universities can only fulfil their mission if academic debates are conducted openly, different perspectives are heard, and people can participate on an equal footing in academic and social life, regardless of their origin, religion, gender, sexual orientation or other personal characteristics.

We therefore expressly advocate for academic freedom, for fundamental democratic rights and the associated social responsibility, for a pluralistic and respectful discourse on our campuses, and for a cosmopolitan Erfurt and a cosmopolitan Thuringia. We are convinced that a vibrant democracy thrives on the engagement of its citizens and that universities bear a special responsibility to create and maintain spaces for critical thinking, dialogue and social understanding.

We therefore call on all students, lecturers, staff and supporters of Erfurt's universities to stand up for these values peacefully and resolutely on 4 July and on every other day. Let us show together that Erfurt is a city with a rich history of scholarship, democracy and diversity.

Let us make it clear that our universities stand for openness, respect and human dignity. A vibrant democracy needs people who get involved. That is why we invite you to take part in the peaceful demonstrations and events surrounding the Festival of Democracy on 4 July, in support of a diverse and cosmopolitan Erfurt.

For academic freedom. For democracy. For diversity. For Erfurt.