Prof. Dr. Reinhard Geßner
Professur für Klinische Chemie und Labordiagnostik

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Prof. Dr. Reinhard Geßner

Professur für Klinische Chemie und Labordiagnostik

Biographie

Reinhard Geßner studierte an der Freien Universität Berlin (FUB) zunächst Biochemie und nach dem Vordiplom parallel Humanmedizin. Nach seiner Diplomarbeit ("Definierte Fragmente von 5S rRNA als Mittel zu Struktur- und Funktionsuntersuchungen") bei Dr. Volker Erdmann führte ihn ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes (Hochschul­vorschlag) an das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA.  Dort gelang es ihm, mittels Einkristall-Röntgendiffraktions­analyse die Struktur von drei DNA-Hexameren und deren molekulare Interaktion mit Ionen und Wassermolekülen aufzu­klären.  Zurück in Berlin vollendete er sein Medizinstudium und finan­ziertes dieses als Vollwaise durch eine Assistententätigkeit am Institut für Biochemie der FUB.  Im praktischen Jahr studierte er in Harvard bei Dr. Malt Abdominal­chirurgie, Dr. Kronenberg Endokrinologie, Dr. Bon­ventre Nephrologie und Dr. Braunwald Kardiologie sowie in Yale bei Dr. Ariyan plastische und rekonstruktive Chirurgie.  Nach seiner Rück­kehr schloß er 1989 sein Medizinstudium mit dem Staatsexamen und seine am MIT bei Dr. Alexander Rich durch­geführte naturwissen­schaft­liche Doktorarbeit ("High Resolution X-ray Diffraction Studies of Z-DNA") mit Auszeich­nung ab.

In 1990 begann er in Berlin seine Weiterbildung zum Facharzt für Laboratoriumsmedizin und baute parallel als Hochschulassistent (C1) eine eigene, struktur- und zellbiologisch ausgerichtete Forschungs­gruppe auf.  Nach der Anerkennung als Facharzt für Laboratoriums­medizin (1997) folgte die 2005 die Habiltation über das Thema "Bio­molekulare Interaktionen".  In 2007 erwarb er die Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin.  Im Rahmen dieser Qualifikation hat er die Charité, Teile der Humboldt-Universität und die gesamte ordentliche Gerichts­barkeit in Berlin arbeitsmedizinisch betreut.  Ab 2008 war er als Wis­senschaftler und Facharzt am Universitätsklinikum Leipzig tätig, ab 2015 an der Medizinischen Hoch­schule Hannover (MHH) und leitete dort parallel das Zentrallabor von Diakovere, dem größten gemein­nützigen Krankenhaus in Nord­deutsch­land.  In 2019 übernahm er an der Philipps-Universität Marburg/dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg die Position des stellver­tretenden Direktors des Instituts für Labora­to­riums­medizin und nahm 2024 den Ruf auf die Professur für Klinische Chemie und Labor­diagnos­tik an der HMU Erfurt an.

Nach seiner Rückkehr aus den USA nach Deutschland hat Reinhard Geßner gemeinsam mit ehemaligen Kollegen den deutschen Alumni Club seiner amerikanischen Alma mater, den MIT Club of Germany, gegründet und auch mehrere Jahre als Präsident geleitet.  Er pflegt weiterhin gute Kontakte zu zahlreichen Universitäten weltweit.

Lehrtätigkeiten

Reinhard Geßner hat bereits im Hauptstudium Biochemie an der FUB als Tutor Studenten in Seminaren und Praktika (Biophysikalisches Praktikum, Biochemisches Grundpraktikum, Biochemisches Fortge­schrittenen-Praktikum "Proteine und Nukleinsäuren") betreut und als Assistent in Biochemie nicht nur die curriculäre Lehre im Studiengang Biochemie mit betreut, sondern bereits eigene Lehrveranstaltungen konzipiert und durchge­führt (Seminar und Praktikum "Radiochemie für Biochemiker" sowie Seminar und Praktikum "Strukturprinzipien und Modellbau von biologi­schen Makromolekülen").

An allen Universitätskliniken, an denen Reinhard Geßner tätig war, der Charité, dem Universitätsklinikum Leipzig, der MHH und der Philipps-Universität Marburg hat er im Rahmen der curriculären Lehre im Fach Klinische Chemie/ Labormedizin Vorlesungen gehalten und Seminare sowie Praktika betreut.  An der Charité hat er zudem viele Jahre lang den Kurs "Molekular Cell Biology" zunächst auf deutsch und später auf englisch für Studierende aller biomedizinischer Fächer durchgeführt, an der FUB in Studiengang Bioinformatiik die Vorlesung "Gentechnik und Ethik" sowie den von der zuständigen Landesbehörde anerkannten "Gentechnologischen Sicherheitskurs".  An der Charité war er am Aufbau des Reformstudiengangs Humanmedizin beteiligt und hat dort so­wie auch der Universität Leipzig POL-Kurse betreut (Problem-orientier­tes Lernen: "Medizin des alternden Menschen" sowie "Notfall- und Akutmedizin"). An der Uni­versität Leipzig hat er sich zudem an der curriculären Lehre im Fach Chirurgie beteiligt (Vorlesungen "Mole­ku­lare Diagnostik", "Chi­rur­gi­sche Forschung" und " Chi­rur­gi­sche Onko­logie") und im MSc-Studien­ganges "Clinical Research & Trans­lational Medicine" die Vor­lesung „Gentherapie“ im Rahmen des TRM-Modul B-05P "Regenerative Medi­zin".  An der Philipps-Universität Marburg hat er zudem im Wahlfach "Laboratoriumsmedizin" den Seminar­teil be­treut und auch die dazugehörige Exkursion in Medizinische Labore in Liechten­stein und der Schweiz begleitet.  Im Studiengang "Human­bio­logie" hat er das Mastermodul "Berufsperspek­tiven für Humanbio­lo­gen" (deutsch/englisch) durchgeführt.  Sowohl in Leipzig als auch in Marburg hat er Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte bei der jewei­ligen Ärzte­kammer zertifizieren lassen und jahrelang durchgeführt.

An Akademie für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin Berlin der Ärzte­kammer Berlin hat Reinhard Geßner von 1992 bis 2005 im Ermächti­gungs­lehrgang "Arbeitsmedizinische Vorsorge nach GenTSV für Arbeitsmediziner" den Vorlesungsteil zu Gefahrstoffen übernommen und von 1993 bis 2021 in Berlin mehrtägige Fortbildungsver­anstal­tungen nach GenTSV für Wissenschaft­ler und Ärzte aus ganz Deutsch­land zur Betreuung von gentechnischen Arbeiten als Projektleiter oder Beauftragter für Biologische Sicherheit zunächst bei der FGU-Berlin e.V. und später der BioMedConcept GmbH mehrfach pro Jahr durchge­führt.  Anfang 2026 hat er sich zudem als Dozent an dem mit seiner Unter­stützung neu etablierten Aktualisierungskurs nach GenTSV der Philipps-Uni­ver­sität Marburg beteiligt.

An der HMU Erfurt führt Reinhard Geßner im Studiengang Human­medizin seit dem Sommersemester 2025 die curriculäre Lehre (Vorlesungen und Seminare) im Fach "Klinische Chemie und Labor­diagnostik" durch (Modul 5.2.2) und übernimmt ab dem Sommer­semester 2026 zusätzlich die Vorlesungen und UaK "Methoden der Tumordiagnostik (Modul 7.3.1.17).

Forschungsschwerpunkte

Im Mittelpunkt der Forschung von Reinhard Geßner stand zunächst die Aufklärung der dreidimensionalen Struktur von Nukleinsäuren und Proteinen mittels Röntgenstrukturanalyse, NMR-Spektroskopie und Kryo-Elektronen­mikro­skopie.  Dabei galt sein Interesse insbesondere der Aufklärung der molekularen Interaktionen, die für die Ausbildung  der Sekundär- und Tertiärstruktur dieser Makromoleküle verantwort­lich sind, von der atomaren Ebene über die Wasserstruktur und Ionen-bindung bis hin zur Ligandenbindung.  

Aufgrund seiner ärztlichen Tätigkeit richtete Reinhard Geßner seine Forschung an der Charité zunehmend auf medizinisch relevante Bio­moleküle, wie den humanen Transferrinrezeptor und Zelladhäsions­proteine aus, wobei er nicht nur ein neues Protein mit distinkter mole­ku­larer Struktur, das LI-Cadherin, ent­deckte, sondern darüber auch eine neue Cadherin-Familie, die 7D-Cadherine definieren konnte.  Seine Forschungstätigkeit schloß die Klonierung und Expression der cDNA, die Generierung poly- und monoklonaler Antikörper, die Aufklä­rung der Genstruktur vom LI- und Ksp-Cadherin, die funktionelle Un­ter­suchung des LI-Cadherin-Promoters, die Erzeugung von LI-Cadherin knockout-Mäusen, deren Charakterisierung und die laterale Inter­ak­tion von Cadherinen in der Zellmembran sowie deren trans-Bindung mit biophysikalischen Methoden (FRET und FRAP) ein.  Auch die mög­liche Funktion von LI-Cadherin bei der Entwicklung  gastrointestinaler Tumore war Gegenstand seiner Untersuchungen.

Weitreichende medizinische Probleme, wie die Übertragung von Prionen­Erkrankungen von Tieren auf Menschen und die Covid-19 Pandemie haben Reinhard Geßner motiviert, sich mit diesen fatalen Erkrankungen zu befassen.  Bezüglich SARS-CoV-2 ging es ihm um die Aufklärung möglicher Pathomechanismen und die Identifizierung neuen Biomarkern, insbesondere für Long-Covid, einer Folge­erkran­kung von SARS-CoV-2 Infektionen mit großen individuellen und gesell­schaftlichen Belastungen.

Zur Finanzierung seiner Forschung hat Reinhard Geßner insgesamt fast 3 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln eingeworben (DFG, BMBF, DAAD, Helmholtz-Gemeinschaft, Volkswagen-Stiftung und Sonnenfeld-Stiftung).  Seine wissenschaftliche Tätigkeit führte zu über 40 von ihm erfolgreich betreuten Diplom- und Doktorarbeiten, über 70 Publikationen und 3 Patenten.  Reinhard Geßner ist Mitglied in zahl­reichen Fachgesellschaften und internationalen Alumni-Vereinen.

Publikationen

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